AKT

GER
Die unabhängige und insbesondere utopische Raumproduktion, die jede soziale und kulturelle Wende begleitet, ist praktisch zum Erliegen gekommen. ArchitektInnen arbeiten nur mehr auf Anforderung durch Wirtschaft oder Politik, oder aus Gründen der Selbstvermarktung. Sogar das Wettbewerbswesen, an sich absolut systemkonform, wird mittlerweile als subversiv oder nicht ausreichend profitabel ausgehebelt. Die Ergebnisse sind austauschbar, ArchitektInnen produzieren Gewinn-Ware. Akt ist ein Zusammenschluss junger ArchitektInnen mit dem Ziel, diese Eindimensionalität aufzubrechen, zu unterlaufen und produktiv zu überwinden.


ENG
The independent and especially utopian production of space which accompanies social and cultural change, has practically ceased to exist. Architects exclusively respond to economic or political demands or market themselves. Even competitions, though highly compatible with the economic system, meanwhile are regarded as subversive and not profitable enough. The results are interchangeable, architects produce commodities. Akt is an association of young architects with the aim to break through this one-dimensionality, to subvert and productively overcome it.



AKT receives support from

AKT sind

Thomas Amann, Lukas Antoni, Fabian Antosch, Jerome Becker, Sebastian Bietenhader, Gerhard Flora, Joachim Hackl, Brian Hoy, Julia Klaus, Teresa Köhler, Philipp Krummel, Lukas Lederer, Klaus Molterer, Matthias Moroder, Philipp Oberthaler, Poltak Pandjaitan, Charlie Rauchs, Johannes Reisinger-Treiber, Martin Ritzinger, Kati Schelling, Philipp Stern, Robert Thum, Harald Trapp




Akt2: EIN GA​NG

Closing Performance 14.12.2019
4-9 PM
Location: Quellenstraße 2c, 1100 Wien

 

Semiotisierung und Spektakel haben den Raum entwertet; die eine durch Verzeitlichung und Abstraktion, das andere durch Konsum und Profit. Doch der Raum kommt zurück und wird in seiner gesellschaftlichen Relevanz erkannt. Körper und Gegenstände werden in ein Verhältnis gebracht, das Architektur wird. Akt operiert nicht durch Aus-stellung (die BesucherIn belehrend), sondern durch Her-stellung (der BesucherIn begegnend).

 

Durch Architektur wird Raum intelligent. Intelligent heißt ursprünglich auch "dazwischen wählen", also eine Unterscheidung treffen. Architektonische Intelligenz erschließt sich für Be-Sucher und Be-Wohner durch Bewegung. Sehen, Hören, Fühlen kommen danach. Sonst wäre ein Bild auch Architektur, wäre Musik auch Architektur, wäre Skulptur auch Architektur, alles wäre Architektur und nichts wäre Architektur. Architektur entsteht in der Bewegung und entlang ihrer durch Gegenstände und die durch deren Bewegung erzeugten Räume beim Besuch. Akt ist eine Kommunikation, bei der wir Gegenstände stellen und BesucherInnen mit ihnen umgehen, sie bewohnen und ihre Bewegungen dann ohne uns an die der Gegenstände und der Bewohner anschließen. 

 

Wenn und während sie das tun, entfaltet sich der Akt, der Gang, EinGang. Eine Situation, die sich selbst produziert: Autopoiesie. Eingang weil ein Gang schon da ist, Eingang weil durch den gehenden Besuch die Intelligenz der Architektur Anschluß findet, unvorhersehbar und nicht beliebig, kontingent. Akt nimmt so Eingang in das Verhalten der BesucherInnen. Keine Erklärungen, keine Texte, keine Illustration, sondern ver-stehen durch be-gehen. Architektur wirkt durch Wider-stand, als Gegenstand, durch Herstellung, nicht Herrichtung oder Einrichtung. Einrichtung ist seßhaft, setzt fest, fixiert, bebildert. Herstellung produziert, ist dynamisch, steht im Weg, bewegt. Im Gang durch Begehung zur Begegnung.

 

BEITRÄGE

doppelbödig

Max Hebel, Julia Klaus, Lukas Lederer, Kati Schelling

Unvoreingenommen gewähren wir einer vermeintlich unangenehmen Realität Amnestie. Vorhandenes setzt unseren Nullpunkt - Ausgangspunkt für den Umgang mit verbliebenen, vorgefundenen Dingen. Hier gilt Kombination mehr als Innovation. Leben wir noch oder wohnen wir schon? Walden - Back from the woods... ist dies noch ein Wohnexperiment oder sind wir nur unglaublich wirtschaftlich?


Statusschaukel

Gerhard Flora, Philipp Oberthaler

"Der Baumwollschuppen ist aus rohen Rundbalken gezimmert, der Lehm ist längst aus den Ritzen herausgebröckelt. Quadratisch, das halb eingestürzte Dach nur zur einen Seite abgeschrägt, lehnt er verlassen, windschief im flirrenden Sonnenschein; in zwei einander gegenüberliegenden Wänden ist je ein großes Fenster; beide gehen auf den an den Schuppenecken sich teilenden Weg hinaus. Als wir dort sind, biege ich ab und folge dem Weg, der um den Schuppen führt. Jewel, fünfzehn Fuß hinter mir, sieht starr geradeaus und steigt mit einem großen Schritt durchs Fenster. Immer noch geradeaus starrend, seine blassen Augen wie Holz in sein hölzernes Gesicht eingelassen, durchquert er mit vier langen Schritten den Schuppen, steif, würdevoll wie ein geschnitzter Zigarrenreklame-Indianer, in geflicktem Overall und scheinbar erst von den Hüften abwärts lebendig, und steigt mit einem einzigen Schritt durch das gegenüberliegende Fenster wieder auf den Weg hinaus, gerade als ich um die Ecke komme. Hintereinander, mit fünf Fuß Abstand, Jewel jetzt vor mir, gehen wir den Weg weiter zum Fuß des steilen Hangs hin." Faulkner - As I Lay Dying


Türwandwohnung

Philip Krummel, Harald Trapp

Jedes Zimmer betritt man, um es zu verlassen. Man verläßt es durch Drehung der Tür. Man geht durch die Wand. Auch die Drehung der Wand öffnet eine Öffnung und schließt ein Zimmer. Die Schließung des Zimmers isoliert, die Öffnung verbindet. Man geht voran und läßt zurück, man geht voran und schließt ein, man geht voran und verbindet. Endlich allein. Schon wieder vereint.


In der Decke

Charlie Rauchs

Wie wir wohnen sollten wird uns gesellschaftlich diktiert. Von der idealen Wohnfläche bis zur Größe der Couch. Aber was passiert, wenn wir die Gegebenheiten aufbrechen und selbst neu definieren. Mit dem Kopf durch die Decke werden bauliche Unzugänglichkeiten aufgebrochen. Verborgener Raum wird lebendig. Es entstehen neue Beziehungen zwischen Räumen, Decken, Wänden und so auch zwischen NutzerInnen.


Besuch

Jerome Becker

Während die Begegnung von Individuen auch ohne die Interferenz mit architektonischen Objekten möglich ist, gibt es eine bestimmte Form der Kopräsenz, die an die räumliche Praxis des Wohnens geknüpft ist: der Besuch. Hier entsteht ein spontanes und beabsichtigtes Nähefeld zwischen den sogenannten Unteilbaren. Dieses intime Interieur ist die Verräumlichung einer geteilten und zugeteilten Subjektivität.


“C'est complètement fou, non?”

Thomas Amann, Lukas Antoni, Joachim Hackl, Klaus Molterer, Poltak Pandjaitan

Wo die "Utopie" in der institutionalisierten Produktion von Wohnraum ein weitgehend in Vergessenheit geratener Begriff zu sein scheint, sind es die Resträume – die Keller oder Garagen der BastlerInnen, SpinnerInnen und Genies – in denen sich womöglich noch eine letzte Spur davon finden lässt. Individuelle Träume werden in scheinbar generischen räumlichen Konstellationen gelebt; übrig gebliebene Räume werden zu Brutstätten konkreter Fantasien und Obsessionen der Hobbyisten. In solchen Räumen, die abseits von Kriterien wirtschaftlicher Verwertbarkeit und normierter Wohnvorstellungen existieren, gehört Scheitern zum Programm. Sie werden zur Spielfläche für Experimente mit offenem Ausgang.


Von Barrieren und ihren Freiheiten

Martin Ritzinger

Bauliche Barrieren, Schwellen und Schranken, aber auch solche der Sprache und des Verstehens, manifestieren Sozialsysteme durch ihre Nutzungsbedingungen. Von zellulären Organismen, über Populationen bis hin zu Ökonomien hindern Barrieren, Schwellen und Schranken diese Systeme sowohl am Zerfließen als auch am Erstarren. Somit gestalten ebenso abstrakte Barrieren, Schwellen und Schranken des Verstehens, neben vielfältiger Behinderung der persönlichen Freiheit, auch das Erkennen von unerwarteten Lebenswegen.


in residence

Fabian Antosch, Philipp Stern

Die Reproduktion von Bildern ist bestimmend für unser Wohnen geworden. Wollen wir uns von neo-biedermeierlichen Strömen emanzipieren, so muss das grundlegende Wesen des Wohnens neu begriffen werden. Was benötigen wir um zum Wohnen zu kommen und wann wohnen wir wirklich?





Akt1: Europa

Opening 30.03.2019
6-10 PM
Location: 48°10'22.4"N 16°23'53.1"E


Wien mit seiner Tradition transnationaler Architektur ist ein guter Ort für den Aufruf, in Zeiten engstirniger Nationalismen eine neue europäische Architektur zu initiieren. Diese braucht Räume der Utopie, der Gemeinschaft, der Differenz, der Phantasie und der Kritik. Für Akt 1 bauen junge ArchitektInnen in der "Oststation" am Kempelenpark den Raum Europa: Eine Gemeinschaft aus Unterschieden.


BEITRÄGE

British Folly

Philipp Krummel, Robert Thum, Harald Trapp mit Jan Weber

Ein offener Unterstand aus fünf Dächern wird durch menschlichen Eingriff zur Zelle - und umgekehrt. Die Bewohnerinnen bestimmen den Grad ihrer Isolierung. Ein vollständig geschlossenes System kann sich aus eigener Kraft nicht mehr verändern. Ein vollständig offenes System hört auf zu existieren und geht in seiner Umwelt auf.  Gesellschaften entwickeln sich mit dem Grad ihrer Schließung. 


Club Europa

Andreea Bianca Cebuc,Teresa Köhler, Kati Schelling

We will not be sorry! We will not be sad!
In der Wohnzimmer – Disco wird tanzend Position bezogen und verhandelt. Europa ist keine natürliche Begebenheit, ebenso wenig eine Nation oder eine Illusion. Europa entsteht! Mit / bei jedem einzelnen von uns. Bekanntes entfremden – Klischees austragen: die Installation von Deea, Teresa & Kati handelt vom Wohlfühlradius und kritischer Dichte. Achtung - nicht für Klaustrophobiker geeignet!


Durchhaus (engl. through-house)

Flora Oberthaler

Stilisiertes Modell eines traditionellen Arbeiter-Reihenhauses im nordirischen Belfast (engl. terrace) oder: Wie irisch republikanische Paramilitärs einen seriellen Grundriss als Strohmann einsetzten, um die „britischen Besatzer“ zu zermürben und wie sie ihn seinen Bewohnern zu einem Strick drehten, um diese zu radikalisieren. Ein Auszug aus The Architecture of Make Believe von Flora Oberthaler. 


Euphoria

Thomas Amann, Joachim Hackl, Klaus Molterer, Poltak Pandjaitan mit Lukas Antoni

Die scheinbar ewigen Fundamente der Pyramide offenbaren sich als fragiles Konstrukt in ständiger Bewegung, bedrohlich und beruhigend zugleich. Als Leuchtturm im Nebel der Gegenwart entsteht ein Ort der kollektiven Euphorie; ein gemeinsames Feuer, das für alle brennt und für das viele brennen können. Geht Europa in Flammen auf oder brennt die Fackel der Vernunft?


EXTRY

Fabian Antosch, Philipp Stern

Von Berghain bis Schengen, Zutritt wird gewährt oder verwehrt. Die Gründe dafür sind nicht immer nachvollziehbar, die Folgen jedoch teilweise erheblich. Architektur spielt dabei eine entscheidende Rolle, sie konstatiert wer drinnen ist und wer draußen. So sei es. Oder?


Grenzdoppelhaushälften

Jerome Becker

Grenzdoppelhaushälften ist das Kondensat der sozioökonomischen Turbulenzen an der Grenze. Luxemburg: Tankstelle, Tankstelle. Deutschland: Haus, Haus.Aus der Überlagerung von nationalen und transnationalen Regulierungen entsteht ein architektonischer Typus, dessen Transformationen ein Narrativ der europäischen Binnengrenze erzählen.


Kopiehafte Wohnblöcke mit kopiehaften Wohnungen

Büro Bietenhader Moroder

Die Krise Europas hängt an der Krise des Neoliberalismus, der den Wohnbau im Sinne der Ausdifferenzierung, Individualisierung und Flexibilisierung grundlegend verändert hat. Die Krise Europas ist damit auch eine Krise des Wohnens. Kopiehafte Wohnblöcke mit kopiehaften Wohnungen affirmieren das Unerwünschte des Neoliberalismus: die kopiehafte Serialität. 


ÖNORM B 5335

TAB (Philippe Jans, Therese Leick, Charlie Rauchs, Wilhelm Scherübl Jr.)

„Ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht.“  Herbert Kickl 21.01.2019

Bezugnehmend auf die Absurdität dieser Aussage entsteht ein Raum der diese Unsinnigkeit aufzeigt. Eine Türe, die nicht den Normen entspricht. Der Eingang reflektiert nicht nur diese eine Aussage, er bezieht sich auf eine Politik des Populismus, Nationalismus und der Engstirnigkeit. Im Inneren „Europa“."


transferenz

Julia Klaus, Lukas Lederer

Eine Expedition durch das Unausgesprochene, durch den Mythos, durch das Zwischendrinn der EU - alternativ zu den alternativen Fakten und aus sicherer Distanz.


+- ratio

Martin Ritzinger

circle.expectation.myth.void.cooperation.illusion.mirror.multi.equivalence.ratio.plus.minus




Vielen Dank an das Sozialunternehmen Nut und Feder für die Bereitstellung der Werkzeuge für den Aufbau.








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